Du wachst auf, in einer anderen Stadt...doch nicht in einer besseren Welt.
Hamburg, der 15.10.2012. Es ist kalt draussen, nass...Es klopft an der Terrassentür. Mia, die katze meiner Schwester will herein gelassen werden.
Fröhliches mauzen, schnurren....doch was Sie mir eigentlich damit sagen wollte, brachte mich an dem tag an meiner Grenzen.
Für andere sicherlich das lächerlichste auf der Welt, für mich, als Tierfreund, das Schlimmste überhaupt.
Freudig wollte Sie mir zeigen, "da schau her, was ich für dich habe"....traurig und ängstlich saß er da. Die kleine Blaumeise. Zitternd und starr vor Angst.
Ich lobte Sie kurz,tätschelte Ihren Kopf,"fein gemacht Mia"...doch so schnell wie ich es aussprach sprang ich auf die Terrasse.
lebt er noch? Gehts ihm gut?
Der Flügel war halb ausgerissen. es brach mir das Herz..Ich nahm ihn auf meine Hand. Ängstliches zwitschern....zittern. Das kleine Herz klopfte so schnell. Was sollte ich nur tun? ich konnte der Natur nicht seinen Lauf lassen. Nicht wenn ich dabei bin und wegsehen konnte ich auch nicht.
Ich nahm ihn mit rein, sperrte Sie aus. In der Küche sank ich auf den Boden, lehnte an den Kühlschrank, welcher nicht meinen Kopf kühlte. Tausend gedanken....was wir passieren? Wird er überleben, dieses kleine Vögelchen? was könnte man tun? Soll ich ihn zurück geben? NEIN!!!!
Ich drückte ihn an meine Brust, hielt ihn fest. Wärmte ihn und streichelte sein Köpfchen, sein zartes Federkleid. Versuchte ihn mit Wasser zu versorgen.
Und dann kam der gedanke, an den Tod. Er wird sterben, ganz bestimmt. Irgendwas muss man doch tun. Ich fing an zu realisieren... Tränen füllten meine Augen... ich musste eine Entscheidung über Leben oder Tod fällen.
Ich rief verzweifelt meine Schwester an, einen Freund. Suchte nach Rat...egal, was Sie von mir hielten. Ob es nur ein Vögelchen war oder ein größeres Tier. Tier ist Tier, Seele ist Seele.....
Ich werde nicht vergessen, wie die kleine Meise zu mir rauf schaute..mich mit den kleinen Augen ansah...ob er wusste das es ihm bei mir gut geht? das ich es nur gut meinte? Ob er sich kurze Zeit sicher fühlte?
Ich hoffe es. Ich bekam die Telefonnummer der Tierklinik. Keine 10 Minuten mit dem Auto entfernt. Ich sagte mir, wenn er wirklich sterben muss, dann nicht indem ich ihn "tot" mache oder wieder aussetze....mein herz brach bei dem Gedanken...er sollte nicht leiden...oder vielleicht hatte er ja doch noch eine Chance.
Die Entscheidung über Leben oder Tod, wünsche ich keinem...egal um wen oder was es geht...hab ich das Recht überhaupt zu entscheiden? Hat er es geahnt worüber ich nachdenke?
Ich setzte ihn vorsichtig in eine Schüssel u deckte ihn mit einem Handtuch zu..ängstlich wollte er mich nicht mehr loslassen....sammelte aber genug Kraft in der Zeit mit mir um weg hüpfen zu wollen.
Ich fuhr so schnell ich kann unter Tränen zur Klinik....es hätte auch ein Schwangerentransport sein können, ich raste....angekommen setzte ich ihn auf den Tresen der Schwester und bat um Hilfe.
Ein natürliches, nettes und für mich beruhigendes Lächeln zeigte sich mir entgegen und versprach zu sehen was man machen kann. Nach ein paar Minuten wurde ich aufgerufen.
"Wir müssen Ihn leider in den Himmel schicken".....
Ich schluckte...und merkte wie sich der Kloß in meinen hals zusammenzog..mir die Luft zum atmen nahm und ein Schwall Tränen in mir hochkam.. der kleine war wohl putzmunter, doch man hätte ihm den Flügel abnehmen müssen und er hätte wohl nicht in freier Wildbahn überleben können - verständlich und doch so schmerzhaft. Ihm gehts gut aber er muss trotzdem sterben.
Sie versicherte mir, er würde nichts merken, bekäme eine kleine Spritze und würde friedlich einschlafen. Illusion oder naiver Glaube? Realität? Ein versprechen? Ich suchte mir das beste aus und schenkte ihr Glauben und verabchiedete mich..
Im Auto dann die Ernüchterung..ich bete für dich kleine Blaumeise und habe dich vor einem qualvollen Tod bewahrt...dir einen besseren und sanfteren geschenkt...das einzig Gute daran....dennoch bin ich zutiefst traurig...
Flieg los kleine meise und sing dein Lied in einer besseren Welt..
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